Hinter den Schleiern · Über das Schreiben

Warum meine Figuren keine Helden ohne Fehler sind

Darian nachdenklich im Kerzenlicht am Fenster des Schattenpalasts

Ein makelloser Held wäre vermutlich ein angenehmer Reisegefährte. Er würde immer das Richtige sagen, vernünftig handeln und niemanden verletzen. Ich würde ihm vielleicht meine Zimmerpflanzen anvertrauen. Eine ganze Geschichte eher weniger.

Mich interessieren Figuren, die mit sich selbst ringen. Die lieben und trotzdem Dinge sagen, die sie später bereuen. Die mutig sind und sich dennoch fürchten. Die ausgerechnet dann die falsche Entscheidung treffen, wenn besonders viel auf dem Spiel steht.

Wenn ich schreibe, möchte ich verstehen, was sie antreibt. Hinter Stolz kann Angst stecken, hinter Härte eine alte Wunde. Das entschuldigt nicht alles. Aber es macht für mich einen Unterschied, ob ich nur sehe, was jemand tut, oder auch begreife, warum.

Gerade in meinen dunklen Welten ist mir das wichtig. Macht schützt niemanden davor, einsam zu sein. Magie macht ein gebrochenes Herz nicht automatisch heil. Und eine große Liebe nimmt einem die eigenen Schwierigkeiten nicht ab.

Meine Figuren dürfen Fehler machen. Sie müssen mit den Folgen leben, Verantwortung übernehmen und ihren Weg finden. Manchmal wachsen sie dabei über sich hinaus. Manchmal brauchen sie länger, als mir lieb ist.

Ich begleite sie trotzdem. Auch wenn ich gelegentlich das dringende Bedürfnis habe, sie an den Schultern zu packen und ein wenig Vernunft hineinzuschütteln.

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